Von der Freiheit eines Christenmenschen

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BUTZBACH: „Frei wie ein König, abhängig wie ein Diener – und dazwischen wir, dazwischen ich“. So fasste Dekan Volkhard Guth am vergangenen Sonntag in Butzbach Luthers berühmte Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen zusammen“. Freiheit als zentraler Impuls der Reformation war Thema seiner Dialogpredigt mit Bürgermeister Michael Merle in der evangelischen Markuskirche.

Ob wir diese Freiheit zu schätzen wüssten, ob sie uns nicht zu selbstverständlich geworden sei,  fragte Merle in seinen Eingangsworten. Friedrich Ludwig Weidig, Pfarrer, Lehrer und Wegbereiter der Revolution von 1848, habe für den Kampf um die Freiheit sein Leben gelassen – seit 2011 ehrt ihn die Stadt Butzbach mit dem Namenszusatz „Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt“. Heute sei in unserem Land Freiheit staatlich garantiert, und Freiheit ohne Demokratie ist für Merle nicht vorstellbar.

Guth fragte nach dem Kern des Freiheitsbegriffes, der nicht zuletzt durch den Mauerfall eine besondere Rolle in der Geschichte Deutschlands spiele und den immerhin fast alle politischen Parteien in ihrem Programm führten. Auf ihn beriefen sich Vertreter einer „freien Marktwirtschaft“ und selbst die Verfechter der Sonntagsöffnung der Geschäfte.

Merle erinnerte an den Mut Luthers, in Glaubensfragen dem eigenen Gewissen zu folgen statt äußeren Autoritäten. Sein Glaube an die Gnade Gottes habe ihm eine innere Freiheit geschenkt: ich muss Gott nicht erst gnädig stimmen, um etwas zu gelten. Diese so gewonnene Freiheit sei für Luther jedoch kein Selbstzweck gewesen, sondern sie sollte sich immer in den Dienst des Nächsten stellen.

Guth ergänzte dass Luthers Freiheitsverständnis aus dem Glauben erwachse, dass Christus unsere Schuld und unser Scheitern auf sich genommen habe. Was die Theologen „Rechtfertigung“ nennen heiße für den Menschen: „Ich kann neu anfangen.“  Die „Sünde“ die Luther als eine „Verkrümmung in sich selbst“, ein zwanghaftes in-sich-hinein-verdreht-sein des Menschen beschreibt, sei durch Christus aufgehoben. Wer sich so von Gott geliebt wisse, könne diese Liebe auch weitergeben an den Nächsten. Dies meinte Luther mit den berühmten Sätzen „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemanden untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.“

Luthers Gedanken sind für Merle hochaktuell: Luther habe die Würde jedes Einzelnen in den Vordergrund gerückt. Dies allerdings nicht, damit Menschen sich nur noch um sich selbst drehten. Angesichts von Konsumwahn, globaler Ungerechtigkeit, Armut auch in Deutschland stellten Luthers Ideen Fragen an Politik, Wirtschaft und auch an die Kirche.

Guth ergänzte, Luther habe die in seiner Zeit aufkommende Marktwirtschaft mit großer Skepsis betrachtet. Dem Marktpreis habe er einen „gerechten Preis“ gegenübergestellt und ein Einschreiten der Politik gegen überhöhte Zinsen gefordert. Freiheit sei nicht nur „Freiheit von“, sondern auch „Freiheit zu“, sie müsse sich im Austausch mit anderen bewähren und dazu zähle immer die Rücksicht auf die Schwachen einer Gesellschaft.


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